Zwei Jahre Organisationsentwicklung – Grundlagen schaffen für die FAIRBRIC
Mit freundlicher Unterstützung des Fonds Soziokultur konnten wir uns in den vergangenen zwei Jahren intensiv auf die Eröffnung der FAIRBRIC vorbereiten. Der Organisationsentwicklungsprozess bot uns die Möglichkeit, grundlegende Fragen zu klären, Strukturen weiterzuentwickeln und die organisatorischen Grundlagen für einen erfolgreichen Betrieb zu schaffen. Im Folgenden möchten wir einen kurzen Einblick in diesen Prozess geben.
Fragen sind jederzeit willkommen unter projekt@losmachen.org – wir freuen uns auf den Erfahrungsaustausch mit anderen Initiativen und Vereinen.
Ein gemeinsames Fundament entwickeln
Im Dezember 2023 auf Initiative von Anna Zeitler und Dörte Jacobi gegründet, sollte sich unser Verein von Beginn an zu einem Ort entwickeln, der von vielen Menschen gemeinsam gestaltet wird. Am Beginn des Organisationsentwicklungsprozesses stand daher die gemeinsame Auseinandersetzung mit vermeintlichen Selbstverständlichkeiten: Welche Werte verbinden uns? Wofür wollen wir stehen? Wie wollen wir miteinander umgehen?
Das erste Sommerfest im Juni 2024 diente deshalb nicht nur dem gegenseitigen Kennenlernen, sondern auch der gemeinsamen Entwicklung unseres Werteverständnisses. Darauf aufbauend überarbeiteten wir unsere Vision, Mission und unser Leitbild. Auf dieser Grundlage widmete sich der weitere Organisationsentwicklungsprozess im Kern drei zentralen Fragen:
Wie wollen wir zusammenarbeiten?
Uns war wichtig, dass Beteiligung bei uns nicht nur ein Schlagwort bleibt. Deshalb haben wir uns intensiv mit Partizipation und demokratischen Entscheidungsstrukturen auseinandergesetzt, unsere bisherigen Aktivitäten hinsichtlich ihrer Beteiligungsmöglichkeiten analysiert und unsere regelmäßigen Vereinsformate gestärkt, um mehr Mitwissen, Mitgestalten und Mitentscheiden zu ermöglichen.
Zudem entschieden wir uns, soziokratische Strukturen einzuführen und schrittweise einzuüben. Diese Entwicklung spiegelte sich auch in einer Satzungsänderung wider, die auf der Mitgliederversammlung 2025 beschlossen wurde.
Darüber hinaus entwickelten wir Kriterien für Kooperationen mit anderen Organisationen und erarbeiteten eine erste Hausordnung für unsere neue Geschäftsstelle „LESSI29“ in der Lessingstraße 29 im Paulusviertel.
Wie wollen wir kommunizieren?
Die FAIRBRIC soll möglichst viele Menschen erreichen und einladen, sich einzubringen. Deshalb beschäftigten wir uns intensiv mit Diversität und Awareness, verschiedenen Kommunikationsmodellen – unter anderem der Gewaltfreien Kommunikation –, Einfacher Sprache sowie barrierearmer Gestaltung.
Gemeinsam reflektierten wir, welche Wirkung unterschiedliche Formen der Kommunikation entfalten, wie wir verschiedene Zielgruppen besser erreichen können und wie Inklusion nicht nur in unseren Angeboten, sondern auch in unserer Arbeitsweise sichtbar werden kann. Dabei entstand ein gemeinsames Verständnis davon, wie wir nach innen und außen kommunizieren wollen.
Auf dieser Grundlage überarbeiten wir derzeit unsere Homepage und unsere Öffentlichkeitsmaterialien. Die Umsetzung erfolgt dabei Schritt für Schritt.
Wie wollen wir wirtschaften?
Ebenso wichtig war die Frage, wie die FAIRBRIC langfristig finanziell tragfähig aufgestellt werden kann. Ziel ist es, möglichst unabhängig von Fördermitteln zu werden und gleichzeitig unsere Angebote weiterhin möglichst kostenfrei anbieten zu können. Als Ergebnis entwickelten wir eine Finanzstrategie zur Diversifizierung unserer Einnahmen unter dem Primat der Gemeinwohlorientierung und Gemeinnützigkeit. Unterstützt durch SIGUSA wird auf dieser Basis aktuell das Geschäftsmodell der FAIRBRIC überarbeitet.
Zudem setzten wir uns mit unserer zukünftigen Rolle als Arbeitgeber auseinander. Unser Anspruch ist es, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die nicht nur sicher, sondern auch gesund, unterstützend und an zeitgemäßen Formen der Zusammenarbeit orientiert sind. Dabei ging es sowohl um rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen als auch darum, einen professionellen Prozess für die Gewinnung, Auswahl, Einbindung und Begleitung von Mitarbeitenden zu entwickeln.
Ein weiterer Baustein war die Entwicklung eines Ressourcenschutzkonzepts. Es umfasst Themen wie nachhaltige Beschaffung, Recycling, ressourcenschonende Veranstaltungsorganisation, nachhaltige Mobilität, Catering sowie die Begrünung urbaner Räume im Mittelpunkt. Die Ergebnisse werden derzeit in einem Handbuch aufbereitet, das künftig Mitarbeitenden, Kooperationspartnern und allen Projektbeteiligten als Orientierung dienen soll und auch auf unserer Homepage zur Verfügung stehen wird.
Ergänzend beschäftigten wir uns mit grundlegenden organisatorischen Fragen – von Buchhaltung und Versicherungen bis hin zu rechtlichen Fragestellungen.
Wie wir gearbeitet haben
Der Organisationsentwicklungsprozess fand überwiegend in vereinsinternen Kleingruppen statt, die sich den jeweiligen Themenfeldern widmeten. Dabei kombinierten wir unterschiedliche Arbeitsweisen: Input-Workshops mit externen Expert:innen, das Einbringen der fachlichen und praktischen Erfahrungen unserer Mitglieder sowie regelmäßige Rückkopplungsschleifen innerhalb des Vereins.
Zwischenergebnisse wurden kontinuierlich in offenen Vereinsstammtischen diskutiert und weiterentwickelt. Abschließende Ergebnisse stellten wir bei Mitgliederversammlungen und Sommerfesten vor, um möglichst viele Mitglieder einzubeziehen und gemeinsam zu reflektieren.
Von anderen lernen
Ein besonderes Highlight des Organisationsentwicklungsprozesses war unsere Exkursion nach Chemnitz. Dort konnten wir mit dem Kraftwerk e.V. und dem Arthur e.V. zwei sehr unterschiedliche soziokulturelle Zentren kennenlernen und von deren langjährigen Erfahrungen profitieren. Darüber hinaus besuchten wir den Weltecho e.V. sowie am folgenden Tag das „Hang zur Kultur“-Festival, auf dem wir unter anderem die Materialinitiative ZEUX des Subbotnik e.V. kennenlernen konnten.
Die Gespräche und Einblicke lieferten uns zahlreiche neue Impulse – beispielsweise zur großen Bedeutung von Keramikwerkstätten oder zum Bau einer mobilen Minigolfanlage. Für die herzliche Aufnahme und den offenen Austausch bedanken wir uns bei allen beteiligten Vereinen sehr herzlich. Die Exkursion hat uns darin bestärkt, künftig mindestens einmal jährlich ähnliche Besuche zu organisieren, um unsere Vernetzung und das gemeinsame Lernen weiter auszubauen.
Impressionen unserer Exkursion nach Chemnitz im Mai 2026
Unser (Zwischen)Fazit
Die vergangenen zwei Jahre waren intensiv, herausfordernd und zugleich äußerst wertvoll. Wir konnten die Idee der FAIRBRIC deutlich schärfen, unsere Vereinsstrukturen professionalisieren und uns gezielt auf unsere Rolle als Arbeitgeber vorbereiten.
Parallel dazu wurden verschiedene Förderanträge gestellt. Nach einer längeren Phase der Ungewissheit stimmen uns die positiven Signale unseres zentralen Fördermittelgebers inzwischen optimistisch, dass wir die FAIRBRIC noch in diesem Jahr eröffnen können.
Organisationsentwicklung verstehen wir dabei nicht als abgeschlossenen Prozess, sondern als fortlaufende Aufgabe, die uns auch nach der Eröffnung weiter begleiten wird. Wir freuen uns darauf, die nächsten Schritte zu gehen – und den weiteren Austausch mit allen, die ähnliche Wege beschreiten.
Kernfakten
Datum
01.07.2024 – 31.05.206
Ort
Halle (Saale)
Key Learnings
※ Partizipation braucht Struktur. Klare Rollen, transparente Entscheidungen und verbindliche Prozesse erleichtern Mitwirkung und entlasten Ehrenamtliche.
※ Gemeinnützigkeit und wirtschaftliches Handeln schließen sich nicht aus. Wirtschaftliche Tätigkeiten können angesichts zunehmend unsicherer Förderperspektiven finanzielle Handlungsspielräume sichern und zugleich den Satzungszweck unterstützen — etwa durch Second-Hand-Angebote, die helfen, Ressourcen einzusparen.
※ Diversity beginnt bei den eigenen Perspektiven. Unterschiedliche Menschen nehmen Situationen unterschiedlich wahr. Annahmen sind daher regelmäßig zu hinterfragen.
※ Kommunikation wirkt nur dann inklusiv, wenn sie konsequent vereinfacht und visualisiert wird. Barrierearmut entsteht nicht punktuell, sondern muss stets mitgedacht werden.

